Immer radikaler, so beschreibt Dany Cohn-Bendit im Spiegel-Interview die Studentenbewegung und die Entstehung der RAF.
SPIEGEL: Wie konnte eine anfangs antiautoritäre Bewegung so schnell totalitäre und antidemokratische Ideen bis hin zum Terrorismus übernehmen?
Cohn-Bendit: Der Größte Star der antiautoritären Bewegung war Che Guevara, der einen ebenso radikalen wie autoritären Ansatz vertrat. Er wollte den “Neuen Menschen” schaffen, und zwar mit Gewalt. Dabei wurde Che mehr wie eine Pop-Ikone verehrt und diente als ein Objekt sexueller Projektion. Die Bewunderung für ihn, Mao Zedong oder Ho Tschi-minh - das waren doch alles Projektionen unseres Wunsches nach Emanzipation und Befreiung. Der Realitätsgehalt ihrer Texte und das, was sie wollten und taten, wurde nicht geprüft. Wir nahmen sie als Methapern unserer Wünsche.
SPIEGEL: Gibt es ein spezifisch deutsches Moment bei der RAF?
C-B: Es ist zumindest auffallend, dass die drei Länder, in denen vor bald 40 Jahren die größten und härtesten terroristischen Gruppen der westlichen Welt entstanden, Deutschland, Italien und Japan waren - also die Achsenmächte des Zweiten Weltkriegs mit faschistischer Vergangenheit.

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