Jeder vierte Bundesbürger ist der Meinung, dass der Nationalsozialismus auch gute Seiten hatte. In einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage des Forsa-Instituts für das Magazin «stern» vertraten 25 Prozent der Befragten die Ansicht, dass unter den Nazis nicht alles schlecht gewesen sei. 70 Prozent der Bundesbürger waren der Meinung, dass die NS-Diktatur keinerlei gute Seiten hatte. 5 Prozent antworteten mit «weiß nicht». Als positive Beispiele wurden etwa der Bau der Autobahnen oder die Förderung der Familie genannt. (via N24)
Die NS-Familienpolitik war nicht nur rassistisch, sondern diente auch einzig zur Vermehrung der “arischen Rasse”. Ehen mit Nicht-Ariern waren verboten, “minderwertige” Frauen wurden zwangssterilisiert.
Offenbar haben die Befragten auch vergessen, dass die Nazis ab 1933 ihre Gegner erbarmungslos verfolgten, in Konzentrationslager steckten und später die Vernichtung der europäischen Juden, Sinti und Roma, Kommunisten, Sozialdemokraten betrieben. Ach ja, für die Zerstörung Deutschlands waren Hitler und der Vernichtungskrieg ja wohl auch verantwortlich.
Zu dieser Dummheit passt dann allerdings, dass mehr als ein Fünftel der Deutschen in diesem Jahr noch kein Buch gelesen hat. Und jetzt kaufen die sich vermutlich den Erguss vom Evchen. Die kann den Nazis ja offenbar auch gute Seiten abgewinnen…

8 Kommentare
In dem Zusammenhang kann ich nur folgende Lektüre empfehlen:
Tiedemann, Markus: In Auschwitz wurde niemand vergast. 60 rechtsradikale Lügen und wie man sie widerlegt, Verlag an der Ruhr, 1996
Auf dem schlagfertigen Niveau, dass sogar die Stammtischbrüder es verstehen und dabei historisch klar mit Fakten hinterlegt.
Artikel wie dieser sind gefährlich, weil sie Dinge polemisch genauso über den Kamm scheren wie die entsprechenden Gegner.
Natürlich und auf jeden Fall war die Nazi-Zeit nicht nur schlecht und ablehnenswürdig. Das ewige Tabu von Nazizeit != “das ultimative Böse” hält sich unglaublich hartnäckig. Damit will ich nicht sagen, dass es viel Positives gab, aber man gewinnt den Eindruck, dass sich jedermann bis zum Äußersten von dieser Zeit im Sinne von “Alles war doof, lasst uns lieber das Thema wechseln” distanzieren will.
Was die zwei Statistiken aussagen sollen, ist mir außerdem völlig schleierhaft. Die Informationen, die man auf N24.de und zeit.de findet, sind so unzureichend, dass es sich kaum lohnt, sich eine Meinung dazu zu bilden.
Ich weiss jetzt nicht, ob ich dich richtig verstanden habe. Mir fällt jedenfalls nichts (!) ein, was bei den Nationalsozialisten positiv war. Mir fallen hingegen unglaubliche Verbrechen ein, die begangen wurden.
Mir ist daneben auch nicht klar, welchen Sinn es hat, etwas “Positives” in Nazi-Deutschland zwischen 1933 und 1945 zu finden, bzw. finden zu wollen. Ich finde, dass die Nazi-Zeit nur (!) schlecht und ablehnenswürdig war. Und lehne es ab, mich an Relativierungsdebatten zu beteiligen.
@Mathies
“Natürlich und auf jeden Fall war die Nazi-Zeit nicht nur schlecht und ablehnenswürdig. Das ewige Tabu von Nazizeit != “das ultimative Böse” hält sich unglaublich hartnäckig. Damit will ich nicht sagen, dass es viel Positives gab, aber man gewinnt den Eindruck, dass sich jedermann bis zum Äußersten von dieser Zeit im Sinne von
“Alles war doof, lasst uns lieber das Thema wechseln” distanzieren will.”
Mathies, was willst du damit sagen?
Es gibt nichts Gutes am Nationalsozialismus! Es war alles schlecht und ablehnungswürdig.
Die Grundlage allen wirtschaftlichen Wachstums, aller sozialen Institutionen und Leistungen in der NS-Zeit basierte auf der Ausrottung aller Andersdenkenden.
Im totalitären, menschenverachtenden System der Nationalsozialisten kam eine Gruppe von Menschen auf deutschem Boden in die Situation von der Vernichtung der jüdischen Bevölkerung zu profitieren, viele deutsche Staatsbürger verloren ihr Hab und Gut und ihr Leben aufgrund der von Hitler und seinen Helfern geführten Angriffskriege.
Was ist an diesem System nicht verabscheuungswürdig?
” Es gibt kein wahres Leben im falschen!”, T.W. Adorno
Der Nationalsozialismus verletzte und verhöhnte alle Menschenrechte, jede Moral und machte die Unmoral zu seiner ideologischen Basis. Auf so eine Ideologie kann nichts gutes folgen.
Wenn heute Menschen versuchen in der NS-Zeit auch gutes zu entdecken, dann ist es mit Verlaub gesagt wie in einer Kloake nach Essensresten zu suchen, mit der Absicht diese auch noch zu essen…
Was ich eigentlich zum Ausdruck bringen möchte:
Der Artikel ist mir zu kurzsichtig. Aufbauend auf zweifelhaften Umfragen, die zu sehr nach provoziertem Medienrummel aussehen (denn was ist schon eine Forsa-Umfrage: Da werden 500 oder 1000 Leute praktisch über Nacht befragt. Welche Fragen genau gestellt und wie sie interpretiert werden liegt ganz in den Händen derer, die sie bezahlen; siehe: http://forsa.de/. Zufall übrigens auch, dass gerade der aktuelle Stern mit “Die Nazi-Falle” betitelt ist.) wird hier Distanzierung mit der Reduzierung der Nazizeit auf ihre Greueltaten betrieben.
Als ich schrieb, dass es auch gute Dinge über die Nazizeit zu sagen gibt, habe ich mich missverständlich ausgedrückt. Was mir in Diskussionen um diese Zeit oft fehlt, ist die psychologische Durchleuchtung. Man redet gerne von den großen Übeltätern und dem dummen Volk, schickt Schulkinder in KZs, um sie dort einer Schocktherapie zu unterziehen und stempelt jeden, der nicht auf der Konsenswelle schwimmt, als Idioten ab.
Aber wenn die Zeit für alle so schlimm gewesen wäre wie behauptet wird, hätte es sie sicherlich nicht gegeben. Stattdessen bedeutete ihr Anfang nach dem ersten Weltkrieg und den entbehrungsreichen Jahren danach für viele einen Schritt nach vorn. Da kam scheinbar jemand mit Charisma und wollte etwas ändern, es gab Arbeit und Geld (wenn auch unter äußerst fragwürdigen Konditionen). Man hat sich blenden lassen.
Manchmal habe ich die Befürchtung, dass viele gar nicht sehen wollen, wie ähnlich die Leute von damals einem selbst sind und wie anfällig viele immer noch für Ideen von Scharlatanen und Blendern sind, dass es also Parallelen gibt. Erst wenn man solche Erkenntnisse aus der Vergangenheit ziehen kann, ist man in der Lage, die Gegenwart zu bewältigen. In den breiten Medien findet so eine Verarbeitung aber nicht statt. Lieber werfen Journalisten mit konfusen Umfragen und Studien um sich, die zwar provozieren und das kollektive Gewissen ansprechen, aber keinerlei aufklärerische Wirkung haben.
@Elias
“Wenn heute Menschen versuchen in der NS-Zeit auch gutes zu entdecken, dann ist es mit Verlaub gesagt wie in einer Kloake nach Essensresten zu suchen, mit der Absicht diese auch noch zu essen…”
Das Zitat werde ich mir merken
@Mathies
Das Zitat ist mir übrigens ganz spontan gekommen
ein echter Elias;-)
H.M.Broder: “Je länger der Nationalsozialismus zurückliegt desto stärker wird er bekämpft.”…wer als erster Autobahn sagt hat verloren.
Nur ja immer schön politisch korrekt bleiben das antworten was man sagen darf und sich gegenseitig auf die schulter klopfen und damit ihr euch noch ein bisschen mehr aufregen könnt…Mutterschaftsgeld bzw. Kindergeld, Sportunterricht sind noch zwei sachen die übernommen wurden. Find ich persönlich Super schlecht. also wenn schon denn schon…Politisch korrekt wäre es darauf zu verzichten…aber das tut ihr sicherlich alle schon gelle. Auch Wenn man nur ein bisschen versucht hat den Sinn dessen zu erfassen müsste es, so ein bisschen verstand vorhanden, durchaus klar sein das nicht der geringste anflug rechtsradikalen Gedankenguts in diesen aussagen gewesen ist…aber egal immer schön weiter Mäh machen daran waren wir Deutschen schon immer gut. Und da ihr mich jetzt alle lieb habt noch einen Fakt zum Schluss so als Schock: Was glaubt ihr aus welcher Zeit ungefähr 80 Prozent des Wissens stammt welches die Medizinbücher enthalten nach den euch heute die Ärzte operieren ??? Ich weiß kein Grund stolz zu sein aber ein trauriger Fakt. Also immer erst mal an die eigene Nase fassen…
besonders ärgerlich werd ich, wenn gesagt wird: “lassen wir diese alten Geschichten endlich sein.” oder “das Problem mit der NPD ist ja ganz was anderes als damals” u.ä.m.
Es ist eben nichts anderes! Es ist sowas von gleich. Die gleichen Parolen, die gleichen Klumpfüße, die gleichen Versprechen, gleiche Ziele.
Alles war schlecht am Nationalsozialismus. Sogar oder besonders die Menschen!
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