…und manchmal lösen Blogeinträge auch Reaktionen aus. Verhaltene bis kritische… Wobei ich mich weder in denen getroffen fühle, noch durch den Beitrag der taz, der unten wiedergegeben wird.
Manches (vorallem den durchgestrichenen Teil) hätte ich so nicht schreiben müssen und würde ich in der Schärfe wohl auch nicht mehr schreiben. Aber: Bloggen ist meistens live und Scheren im Kopf helfen selten weiter. Sonst endet man mit einem langweiligen Presseerklärungs-Blog.
Aber 2. Die Diskussion über die Nutzung von Laptops in der Bremischen Bürgerschaft wird weitergehen und muss politisch beantwortet werden. Andere Landtag machen das vor.
Hier nun der ganze Artikel und Kommentar aus der TAGESZEITUNG (TAZ)
Der bloggende Rebell
SPD-Fraktionsvize Günthner übt scharfe Kritik an SPD-Parlamentspräsident Weber - ein Streit um Computer
Ja, sagt Martin Günthner, der stellvertretende SPD-Fraktionschef, “man muss auch mal Christian Weber in die Parade fahren”. Wann, fragt Günthner seinen Bürgerschaftspräsidenten, “kriegen Sie (!) eigentlich die Sache mit dem Bürgerschaftsdirektor geregelt - oder fahren Sie wieder kross auf die nächste Wand zu?” Gemeint ist die Neubesetzung der Stelle eines Verwaltungschefs, für die zwischenzeitlich Ex-Senatorin Karin Röpke im Gespräch war. Noch immer ist die Stelle nicht endgültig besetzt, Rechtsstreitigkeiten drohen. Günthner äußerte seine Kritik nicht im Parlament, sondern in seinem Weblog www.majakowski.com. Jedenfalls bis gestern Nachmittag. Nachdem die taz bei ihm und seinen Parteigenossen angerufen hatte, strich er den Satz wieder. “Er ist wirklich zu gemein.” (der Satz ist nicht gestrichen sondern durchgestrichen , M.G.) Zugleich betont er, dass Weber “der richtige Mann am richtigen Ort” sei, im Parlament ein “überragendes Votum” bekommen habe. Auch von ihm.
Was Günthner erzürnt: Er darf seinen Laptop nicht mit ins Parlament nehmen. Obwohl es sein “Notizbuch” sei. Doch der Vorstand der Bürgerschaft hat fürs Erste mehrheitlich verfügt, dass Computer während der Sitzungen draußen bleiben müssen. Und prüft das weitere Vorgehen. “Der Plenarsaal ist ein Ort der Rede”, sagt Weber.
Eine Entscheidung, die so Günthner, “aus der Hüfte geschossen” sei, “ohne politische Rückendeckung”, im “Alleingang” gefällt. Und einen Präsidenten, der so auf die Schlagzeile schiele, finde er “nicht angebracht”, so Günthner, der seit 1999 im Parlament sitzt. Eine “angemessene” Kritik, wie Günthner findet, und er würde das auch im Parlament so sagen. Sein Fraktionschef Carsten Sieling “billigt” den Blogeintrag nicht, lässt er ausrichten. Weber selbst möchte die Sache nicht kommentieren. Und sein Sprecher verweist darauf, dass auch die SPD keineswegs einig darüber sei, ob Laptops im Plenarsaal nun tabu sein sollen oder nicht. Das Parlament ist “gespalten”, sagt Günthner, quer durch alle Fraktionen, in die “Webaffinen” - und die anderen. “Vielleicht ist das auch eine Altersfrage.”
Man müsse die Dinge eben auch mal “knackig” formulieren, sagt der 31-Jährige, der sich zu Gute hält, auch mal “ein bisschen wild” zu sein. Und dabei an parlamentarische Glanzzeiten erinnert, an historische Debattenredner, an Herbert Wehner, Franz Josef Strauß.
Günthner sinniert unterdessen schon über weitere Schritte in seinem Streiten für ein computerfreundliches Parlament. Er überlegt, seinen Laptop heute einfach mal mitzunehmen, hinein in den Plenarsaal. Aber irgendwie - ganz sicher ist er sich da noch nicht. Es wäre ein “Akt der Rebellion”. Jan Zier (via taz)
Laptops im Parlament
Ein halbherziger Wilder
Kommentar von Jan Zier
Im Grunde hat Martin Günthner, der SPD-Fraktionsvize, ja recht, wenn er sein Laptop mit den den Plenarsaal nehmen will. Was spricht dagegen, seine Gesetzesvorlagen am Arbeitsplatz am Rechner zu betrachten? Die hehre Idee vom Redeparlament jedenfalls nicht. Für die sich Parlamentspräsident Christian Weber einzusetzen behauptet. Allerdings fällt der durch den offenen Dialog nicht gerade auf - etwa bei der Neubesetzung des Bürgerschaftsdirektoren-Postens.
Darauf spielt Günthner zurecht an - und vergreift sich bei der Wahl seiner Mittel und im Ton. Denn gerade Kritik aus den eigenen SPD-Reihen - auch “knackig” fomuliert - könnte die Debattenkultur in der Bürgerschaft wohltuend beleben. Warum äußert er sich erst jetzt?
Günthner, der sich etwas halbherzig als “junger Wilder” geriert, nutzt nicht die offene Bühne für seine Kritik. Sondern seinen Weblog - und gibt sich erstaunt, gelesen, darauf angesprochen zu werden. Und er verknüpft sein Streiten für eine Computernutzung im Plenarsaal en passant mit einer Abrechnung mit Christian Weber - in völlig anderer Angelegenheit. Auch dort mag die Kritik berechtigt sein. Und kommt doch einfach nur hinterrücks daher.

2 Kommentare
was ist denn das für eine merkwürdige verteidigungsstrategie? “bloggen ist meistens live”. habe ich mir das vorzustellen wie den kommentar beim fußball-länderspiel im fernsehen? erst mal schnell was sagen, nur damit überhaupt was gesagt ist? auch wenn es vielleicht unsinn ist - hauptsache schnell kommentiert? und überhaupt: von “live” kann hier doch g a r keine rede sein! die vorgänge, um die es geht, sind doch alles andere als tagesaktuell! sondern alt…
Die Debatte um Laptops im Parlament hat durch einen Bericht im Weser-Kurier am letzten Freitag Aktualität bekommen. Darauf bezog sich meine Kritik, die ich am Freitag gebloggt habe. Ansonsten sehe ich das inhaltlich so, wie ich es dargestellt habe. Lediglich der letzte Satz im Blog war überflüssig. Den hat die Taz dann ja aber hübsch aufgeblasen.
Nebenbei hat das nichts mit “Verteidigungsstrategie” zu tun. Ich blogge, so wie ich blogge. Und wenn ich dabei auch mal über das Ziel hinausschieße, kommentiere ich das selbstkritisch, wie auch geschehen.
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