
70 Zentimeter Versatz zwischen Havenwelten-Plateau und Deich – Umweltressort lenkt ein – Weg am Deichfuss ungewiss - Aus der NORDSEE-ZEITUNG vom 11. März 2008.
Mitte (mue). 70 Zentimeter sorgen derzeit für miese Stimmung zwischen Bremerhaven und Bremen. Da hat es schon tiefere Gräben geben, könnte man einwenden. Aber nicht, wenn es ums Allerheiligste geht – den Deich. Das Land will die Deichkrone bei 7,90 Meter enden lassen – 70 Zentimeter unterhalb des Plateaus, auf dem Hotel und Klimahaus stehen.
Ein hässliche Abbruchkante dort, wo die schönen Havenwelten auf die Weser treffen? Für den Bremerhavener Bürgerschaftsabgeordneten Martin Günthner (SPD) ist dieser Zacken in der Deichkrone ein Unding. Millionen sind hier für Bremerhavens touristisches Kraftzentrum ausgegeben worden und nun knausert der Umweltsenator am Deich. Dabei war den Investoren gesagt worden, dass sie 8,60 Meter erreichen müssen. So hoch sollte das Plateau sein, auf dem die Attraktionen stehen. Und dieses Plateau sollte, so der Plan, genau auf die Deichkrone treffen. Dort kann man flanieren oder Cappuccino schlürfend aufs Wasser hinunterblicken.
Würde der Deich auf 8,60 Meter aufgehäuft, müsste er etwa so steil wie heute ausfallen: Das Steigungsverhältnis beträgt etwa 1:4, das heißt auf vier Meter Länge kommt ein Meter Höhe. Das Umweltressort will nun aber den Deich flacher bauen. 1:6 lautet hier das Verhältnis. Dabei wird ein breiter Deichfuß geschaffen, der weiter als bisher in den Fluss hineinragt. Weil der Deich nicht so steil ist, sondern sanft ansteigt und so möglichen Flutwellen viel Energie raubt, kann er niedriger ausfallen. Der Deich, den das Umweltressort plant, ist deshalb nur 7,90 Meter hoch.
5,5 Millionen Euro sollen die Deicharbeiten zwischen Weserbad und Strandhalle kosten. „Würde er auf 8,60 Meter erhöht, betragen die Mehrkosten wahrscheinlich 100 000 Euro“, sagt Günthner. Ihm ist es das wert. Immerhin würde so auch weniger Weserwatt überbaut. Der verbreiterte Deichfuß wird seiner Meinung fast bis zur Höhe Seebäderkaje hinaus in die Weser ragen. „Und dann ist auch noch unklar, ob es unten am Deich wie bisher einen Weg geben wird“, sagt Günthner. Er bezweifelt das.
Auch Bremenports spricht sich für die 1:4-Lösung aus. „Zwischen Geeste und Strandhalle bietet diese Deichvariante den gleichen zuverlässigen Schutz vor künftigen Sturmfluten wie das 1:6-Modell und verhindert, dass wenige Meter vor dem Sail-City-Hotel eine Kante entsteht“, sagt Sprecher Rüdiger Staats auf Nachfrage.
Den Argumenten verschließt sich jetzt auch das Umweltressort nicht mehr. Auf Nachfrage der NORDSEE-ZEITUNG räumt Ressortsprecher Michael Ortmanns ein, dass die Marke von 8,60 Meter nun doch nicht mehr tabu ist. „Wir wollen eine einvernehmliche Lösung. Der Deich kann auf diese Höhe gebracht werden. Dazu müssen aber noch Detailfragen geklärt werden.“ Dazu zählt laut Ortmanns auch die Frage, ob am Deichfuß, also direkt am Wasser, ein befestigter Weg angelegt wird. Unklar sei auch noch, wie weit der Deich nun in die Weser reichen wird.

Einen Kommentar schreiben